2.3
Starkniederschlags(kenn)tage „Bisher kein eindeutiger Trend bei den Starkniederschlagstagen“
Jahr195119521953195419551956195719581959196019611962196319641965196619671968196919701971197219731974197519761977197819791980198119821983198419851986198719881989199019911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022
Tagesniederschlagssumme > 10 mm25,3523,5516,0627,9521,2927,2228,5828,4411,2527,8733,2620,9118,1716,5532,8234,3824,3322,6221,0827,1516,4620,8517,9827,8818,3615,1422,5222,5723,6724,0530,6921,922,7129,7220,8529,2728,9725,5722,2722,1321,5125,8633,2230,4724,4419,6522,432,3526,223,4628,1933,7322,8827,1823,2723,1334,0123,724,0923,7221,2221,8618,5822,5822,4819,7223,5616,5120,918,220,720,8
Tagesniederschlagssumme > 20 mm4,845,113,777,083,576,775,485,922,047,836,293,93,383,377,068,675,055,524,225,823,064,52,7652,642,653,914,655,385,697,774,584,559,873,337,875,835,264,255,795,566,198,667,744,825,134,347,644,864,924,7110,415,096,45,743,879,65,344,455,143,924,253,985,455,523,734,783,184,13,54,43,5
Mittelwert TNS > 10232323232323232323232323232323232323232323232323232323232323242424242424242424242424242424242424242424242424242424242424
Mittelwert TNS > 20555555555555555555555555555555666666666666666666666666666666

Mittlere Anzahl der Starkniederschlagstage mit einer Tagesniederschlagssumme (TNS) >10 mm und >20 mm pro Jahr in NRW im Zeitraum 1951-2022. Zusätzlich sind die Mittelwerte der ersten (1951-1980) und letzten verfügbaren Klimanormalperiode (1991-2020) dargestellt (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 31.12.2022
Messgröße Mittlere Anzahl der Tage pro Jahr mit einer Tagesniederschlagssumme >10 mm und >20 mm
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator State

Die Veränderung des Niederschlags ist eine Folge der Temperaturänderung. Die Temperaturzunahme ermöglicht einen höheren Wasserdampfgehalt der Luft (+7 % bei +1 K). Darüber hinaus wirkt sie sich auf die Zirkulationssysteme der Erde aus, so dass sich Niederschlagsmuster regional ändern können. Allen voran spielt hier die Abschwächung des Jetstreams eine zentrale Rolle, denn durch dessen Abschwächung können Hoch- und Tiefdruckgebiete für lange Zeit an Ort und Stelle verharren und so für Trockenheit aber auch extreme Niederschlagsmengen sorgen. Insgesamt steht einer wärmeren Atmosphäre mehr Wasserdampf und somit mehr Energie und Wassermenge zur Verfügung, so dass Niederschläge extremer sein können.

Generell werden als "Starkniederschlag" Niederschlagsereignisse bezeichnet, bei welchen innerhalb einer kurzen Zeit verhältnismäßig viel Niederschlag fällt. Die Starkniederschlagstage beziehen sich auf das Überschreiten einer bestimmten Tagesniederschlagssumme. Als Indikator wird die jährliche Anzahl der Starkniederschlagstage mit Überschreiten der Tagesniederschlagssummen 10 mm und 20 mm als Gebietsmittel für NRW im Zeitraum 1951 bis heute verwendet.

Damit liegen die hier dargestellten Kenntage deutlich unter den warnwürdigen Niederschlagsmengen nach Einteilung des Deutschen Wetterdienstes, wonach die Warnstufe 3 für einen ergiebigen Dauerregen in 24 Stunden mit 50-80 mm angegeben wird (DWD 2021). Höhere Starkregenintensitäten werden durch die Indikatoren 2.4 Niederschlagsextreme und 2.5 Starkregenereignisse abgedeckt.

Die Gebietsmittel werden aus Flächenkarten des Niederschlags berechnet. Diese basieren auf Stationsmessungen des Deutschen Wetterdienstes und wurden unter Berücksichtigung der Geländetopographie auf ein Raster von 1 km × 1 km interpoliert. Die Zeitreihe wird vom DWD als sogenannte „Regional Averages (Regionale Mittelwerte)“ in jährlicher Auflösung für alle Bundesländer bereitgestellt.

In der Kartenanwendung werden die Flächenkarten für die Starkniederschlagstage >10 mm Tagesniederschlag und >20 mm Tagesniederschlag dargestellt.

Es werden Flächenmittelwerte ausgewertet, um Aussagen für ganz NRW treffen zu können. Starkniederschlagsereignisse treten jedoch meist räumlich stark begrenzt auf. Eine Aussage zur Veränderung der Starkniederschlagsereignisse auf der lokalen Ebene lässt sich aus den Auswertungen der Mittelwerte für NRW daher nicht ableiten. Generell sind die Flächenmittel der Starkniederschlagstage eher für die Erfassung großräumiger, advektiver, also durch horizontale Luftmassenbewegung resultierender, lang andauernder und intensiver Niederschläge geeignet, die in Verbindung mit größeren Frontsystemen stehen. Dies steht im Gegensatz zu konvektiven Niederschlägen, die durch Hebungsprozesse von Luftmassen eher kleinräumiger, aber auch intensiver sein können. Ein Beispiel hierfür sind Gewitterereignisse.

Aktuell (1991-2020) werden in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 24 Starkniederschlagstage mit mehr als 10 mm Tagesniederschlag pro Jahr gemessen. Tage mit mehr als 20 mm Niederschlag gibt es im Landesmittel aktuell 6 pro Jahr. Im Vergleich zur ersten verfügbaren Klimanormalperiode 1951-1980 ergibt sich eine Zunahme um durchschnittlich einen Tag pro Jahr bei beiden Kenntagen.
 

Durchschnittliche Anzahl der Starkniederschlags(kenn)tage pro Jahr

1951-1980

1961-1990

1971-2000

1981-2010

1991-2020

1993-2022

Tagesniederschlagssumme >10 mm

23

24

24

26

24

24

Tagesniederschlagssumme >20 mm

5,0

5,2

5,4

6,1

5,5

5,3


Das Jahr mit den meisten Starkniederschlagstagen >10 mm Tagesniederschlag (34 Tage) war das Jahr 1966 (das bisher niederschlagreichste Jahr in der Zeitreihe seit 1881). Mit 10 Tagen >20 mm Tagesniederschlag hatte das Jahr 2002 (Platz sechs der niederschlagreichsten Jahre) die meisten Tage dieser Kategorie. Besonders wenige Starkniederschlagstage beider Kenntag-Kategorien traten im Jahr 1959 auf, dem bisher trockensten Jahr seit Messbeginn (11 bzw. 2 Tage).

Für alle Indikatoren erfolgt eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt.

Die Trendanalyse ergab weder für die Kenntage >10 mm Tagesniederschlag, noch für die Kenntage >20 mm Tagesniederschlag einen signifikanten Trend für den Zeitraum 1951-2022. Dies ist auf die hohe Schwankungsbreite der Kenntage von Jahr zu Jahr zurückzuführen.

Bei der Betrachtung der Starkniederschlagskenntage ab 1961 (diese Analyse wird aus Vergleichszwecken durchgeführt, da viele Indikatoren des KFAM erst ab den 1950ern Jahren und später vorliegen, zudem war der Zeitraum vor 1960 nur gering durch den Klimawandel beeinflusst) führt die Trendanalyse bei beiden Tagesniederschlagssummen zu einem quadratischen Trend (n-Form). Das heißt, das zunächst ein Anstieg der Kenntage stattgefunden hat, nach einer Trendumkehr aber wieder eine Abnahme stattfand. Daher ist das Änderungssignal (Differenz zwischen Anfangs- und Endwert der Trendkurve) mit der Abnahme um einen Tag bei den Kenntagen mit Tagesniederschlagssumme >10 mm sehr gering; bei den Kenntagen >20 mm Tagesniederschlagssumme ist keine Änderung feststellbar im Zeitraum 1961-2021. Für den Zeitraum ab 1991, der durch eher niederschlagsarme Jahre charakterisiert ist, ergibt die Trendanalyse für beide Tagesniederschlagssummen einen signifikant fallenden Trend (linear). Hier beträgt das Änderungssignal für die Kenntage >10 mm eine Abnahme von -8 Tagen und bei den Kenntagen > 20 mm eine Abnahme von -3 Tagen.

Durchschnittliche Anzahl der Starkniederschlags-(kenn)tage pro Jahr

Tagesniederschlagssumme
>10 mm

Tagesniederschlagssumme
>20 mm

 

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

1951-2022

24

 

-

5,3

 

-

1961-2022

24

 

-1

5,3

 

-0,1

1991-2022

24

 

-8

5,4

 

-2,8

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  kein Trend

 

 

Trendbewertung

 

günstige Entwicklung
     
     

 

ungünstige Entwicklung
     
     

 

keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden