4.2
Evapotranspiration „Die Schere zwischen aktueller und potenzieller Evapotranspiration geht auseinander“
Jahr19911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
akt. Evapotranspiration399454435438433369468453456471450479424478461441494469451401422465428512459471477413454417507429534578467
pot. Evapotranspiration556590546580578499573529600554561559656571574610610594598573621602592630672629654777740754615794734672736

Mittlere jährliche Summe der aktuellen und potenziellen Evapotranspiration in NRW für den Zeitraum 1991-2025 (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Jahr19911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
akt. Evapotranspiration130159154151149120152146156154146152158150159150150150156143116150135157154157152170163124165161177187143
pot. Evapotranspiration163200196170172157175171184185175175204179181174227196199175242203160204209200218242214259194244207211252

Aktuelle und potenzielle Evapotranspiration im Frühling in NRW für den Zeitraum 1991-2025 (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Jahr19911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
akt. Evapotranspiration183188179179176169208195187197200206160214195179228212204175197217194233184218206137166166226134199260201
pot. Evapotranspiration271276245298291255274243283246279254330266270309261282290311258280319293335288310379375337289388352316345

Aktuelle und potenzielle Evapotranspiration im Sommer in NRW für den Zeitraum 1991-2025 (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Jahr19911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
akt. Evapotranspiration55766170666668697274717274807684686567697464717377548064727076801058183
pot. Evapotranspiration90826475737284719177748088919298737286738685868483988611396102911081209398

Aktuelle und potenzielle Evapotranspiration im Herbst in NRW für den Zeitraum 1991-2025 (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Jahr19911992199319941995199619971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
akt. Evapotranspiration2333353852143443374838502740302250472219223825513949354051614053485641
pot. Evapotranspiration2433353952153446374838512840302250492219223825523950364154624253495643

Aktuelle und potenzielle Evapotranspiration im Winter in NRW für den Zeitraum 1991-2025 (Datengrundlage: DWD). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 03.03.2026
Messgröße Potenzielle Evapotranspiration und Aktuelle Evapotranspiration, jeweils mm
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact

Die Erhöhung der Lufttemperatur und ein geändertes Niederschlagsverhalten wirken sich auf die Evapotranspiration aus. Dabei führen steigende Temperaturen zu höheren Verdunstungsraten (Evaporation). Dabei wirkt nicht nur das temperaturbedingte höhere Evaporationspotenzial, sondern auch die intensivere Transpiration durch die Vegetation, deren Aktivität immer früher im Jahr beginnt. Sich verändernde Niederschläge beeinflussen das zur Verfügung stehende Wasserangebot, wie zum Beispiel das pflanzenverfügbare Bodenwasser. Dieses ist Voraussetzung für die Transpirationsprozesse der Pflanzen. So können geringe Niederschläge in der Vegetationsperiode zu einer Abnahme der aktuellen Evapotranspiration führen, während gleichzeitig die potenzielle Evapotranspiration steigt. Je größer die Schere zwischen aktueller und potenzieller Evapotranpiration ist, desto höher ist der Trockenstress für die Vegetation.

Die Evapotranspiration wird als Verdunstung von einer bewachsenen Bodenoberfläche (hier Gras über sandigem Lehm) modelliert. Sie ist die Summe aus Evaporation (Verdunstung einer unbewachsenen Landoberfläche oder freien Wasseroberfläche) und Transpiration (Verdunstung der Pflanzenoberfläche durch biotische Prozesse). Die Einheit für die Evapotranspiration ist analog zur jährlichen Niederschlagssumme in mm angegeben.

Die Evapotranspiration wird in aktuelle und potenzielle Evapotranspiration unterteilt: Die aktuelle Evapotranspiration beschreibt dabei die tatsächlich, anhand von gemessener Niederschlagsmenge, Lufttemperatur und anderen Parametern, modellierten Werte. Die potenzielle Evapotranspiration hingegen stellt die aufgrund klimatischer Gegebenheiten maximal mögliche Evapotranspiration bei theoretisch uneingeschränkter Wasserverfügbarkeit dar.

Die Werte der aktuellen und potenziellen Evapotranspiration stammen vom open data Server des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und wurden mit dem Modell AMBAV (Löpmeier 1994) berechnet. Wie bereits beschrieben, wird hier das Modell auf eine Landesfläche angewendet, die hypothetisch komplett mit Gras bedeckt ist und der Boden aus sandigem Lehm besteht. Aus den flächenhaft vorliegenden Daten wird der Mittelwert für NRW berechnet. 

Die im Klimaatlas NRW befindlichen Karten zur tatsächlichen Evapotranspiration finden Sie hier. Allerdings stammen diese Karten aus dem mGROWA-Modell des Forschungszentrums Jülich, welches hier mit dem LANUK NRW kooperiert (Siehe Kartenbegleittext für weitere Informationen) . 

 

Literatur:

Löpmeier, F-J (1994): The calculation of soil moisture and evapotranspiration with agrometeorological models. In: Zeitschrift für Bewässerungswirtschaft (Germany).

Die Evapotranspirationsdaten liegen für den Zeitraum 1991-2025 vor und umfassen somit kaum mehr als die aktuelle Klimanormalperiode. Im Mittel für den kompletten Zeitraum liegt die jährliche potenzielle Evapotranspiration bei 621 mm. Die mittlere jährliche aktuelle Evapotranspiration liegt für diesen Zeitraum bei 456 mm.

Bei der potenziellen Evapotranspiration fallen die Jahre mit einer hohen Durchschnittstemperatur, insbesondere im Sommer, besonders auf. So wurden in den Jahren 2018 bis 2020 und 2022 bzw. 2023 und 2025 die höchsten Werte der potenziellen Evapotranspiration registriert - alle Werte lagen über 730 mm -, wohingegen im eher kühlen Jahr 1996 mit 499 mm der geringste Wert der potenziellen Evapotranspiration der Zeitreihe aufgetreten ist. Die aktuelle, also tatsächliche Evapotranspiration ist von der Wasserverfügbarkeit abhängig und liegt natürlicherweise unter der potenziellen Evapotranspiration. Daher tauchen die „Extremjahre“ der potenziellen Evapotranspiration hier nicht unter den Spitzenwerten auf; ganz im Gegensatz: sie liegen unter den fünf Jahren mit den niedrigsten tatsächlichen Evapotranspirationswerten. Die höchsten Werte (über 500 mm) traten bei der aktuellen Evapotranspiration in den Jahren 2014, 2021, 2023 sowie 2024 mit einem Höchstwert von 578 mm auf. Im Jahr 2023, welches das niederschlagsreichste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war, trieben die hohen Temperaturen die potenzielle Evapotranspirationsrate in die Höhe, wobei durch die ergiebigen Niederschläge ausreichend Wasser zur Verdunstung zur Verfügung stand, sodass die aktuelle Evapotranspiration ebenfalls entsprechend hoch ausfiel. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2024 mit Hilfe der steigenden Temperaturen sogar noch extremer fort. 2025 öffnete sich die Schere zwischen potenzieller und aktueller Evapotranspiration wieder weiter.

Für alle Indikatoren erfolgt eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt. Für die jährliche potenzielle Evapotranspiration ergab die Trendanalyse einen quadratischen Trend (u-Form). Das heißt, dass zunächst (bis etwa Mitte der 1990er Jahre) ein Rückgang der potenziellen Evapotranspiration stattgefunden hat und nach einer Trendumkehr ein Anstieg erfolgte. Insgesamt zeigt das Änderungssignal (Differenz zwischen Anfangs- und Endwert der Trendkurve) eine Zunahme der potenziellen Evapotranspiration um 191 mm. Für die aktuelle Evapotranspiration ergab die Trendanalyse für die Gesamtzeitreihe einen linear steigenden Trend mit einem Änderungssignal von +54 Tagen. Hier gibt es hohe Schwankungen von Jahr zu Jahr: so folgen 2021 als Jahr mit der vierthöchsten aktuellen Evapotranspiration und 2020, als Jahr mit dem fünftniedrigsten Wert, direkt aufeinander. Danach schließen sich 2022 mit der 13.-niedrigsten und die Jahre 2023 und 2024 mit der zweithöchsten bzw. höchsten aktuellen Evapotranspiration an. Die jahreszeitlichen Trends der Evapotranspiration werden in der untenstehenden Tabelle zusammengefasst.

Evapotranspiration in mm

aktuellpotenziell
1991-2025MittelwertTrendÄnderungMittelwertTrendÄnderung
Frühling151 -198 +61
Sommer193 -297 +89
Herbst72 +1487 +27
Winter39 +1439 -
Jahr456 +54621 +192

 

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  steigender quadratischer Trend
  kein Trend

 

Trendbewertung

 
günstige Entwicklung
     
     
 
ungünstige Entwicklung
     
     
 
keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden