7.3
Waldzustand „Die Kronenverlichtung nimmt zu“
19841985198619871988198919901991199219931994199519961997199819992000200120022003200420052006200720082009201020112012201320142015201620172018201920202021
ohne Kronenverlichtung596560556261585950515049414634,0034353327293025293138322434272328283022192328
schwache Kronenverlichtung312630292829293134333637393343,0036384349424548444441454341444146434539393332
deutliche Kronenverlichtung1091016101012111616141421212430272424292527272521233325293626292539424440

Entwicklung des Kronenzustandes aller Baumarten an der Waldfläche NRW im Zeitraum 1984-2021: Prozentuale Verteilung nach Stufe der Kronenverlichtung. Für das Jahr 1996 liegt kein Landesergebnis vor (Datengrundlage: Waldzustandserhebung NRW). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 2021
Messgröße Klassifizierung des Kronenzustands, dimensionslos; Fläche der jeweiligen Schadstufe bezogen auf Gesamtwaldfläche in %
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Waldzustandsbericht NRW
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact

Der Waldzustand wird durch eine Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Das Klima und die Witterung spielen dabei eine wesentliche Rolle. Veränderte Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie Witterungsextreme fordern unsere Wälder heraus. Der Waldzustand wird unter anderem durch das Ausmaß von Kronenschäden bestimmt. Als Kronenschäden gelten beispielsweise der Verlust von Nadel- bzw. Blattmasse (Kronenverlichtung) oder vergilbte Kronen. Die Kronenverlichtung der Waldbäume zeigt hierbei unspezifisch die Waldvitalität an. Sie wird neben dem Klima bzw. der Witterung durch verschiedene weitere Faktoren, beispielsweise Schaderreger, Schadstoffe, aber auch baumeigene Entwicklungsprozesse, wie die Fruchtbildung und das Baumalter, beeinflusst.

Im Rahmen jährlicher Waldzustandserhebungen wird in Nordrhein-Westfalen seit 1984 regelmäßig durch den Landesbetrieb Wald und Holz die Kronenverlichtung der Bäume erfasst, ausgewertet und in Waldzustandsberichten dokumentiert. Der Kronenzustand wird nach drei Stufen bewertet: ohne Kronenverlichtung (bis zu einer Verlichtung von 10 %), schwache Kronenverlichtung (11-25 %) und deutliche Kronenverlichtung (>25 %) (MULNV 2020).

 

Literatur:

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) 2020: Waldzustandsbericht 2020: www.wald-und-holz.nrw.de/fileadmin/Wald_in_NRW/waldzustandsbericht_2020_langfassung.pdf [05.05.2021]

Betrachtet man die Mittelwerte der aktuellen Klimanormalperiode (1991-2020), so liegt der mittlere Anteil an Bäumen in NRW ohne Kronenverlichtung bei 34 %, der Anteil an Bäumen mit schwacher Kronenverlichtung bei 40,5 % und der Anteil an Bäumen mit deutlicher Kronenverlichtung bei 26 %. In den Jahren 2020, 2018 und 2019 traten die geringsten Waldanteile ohne Kronenverlichtung auf mit Werten von 23% und darunter.

Schon bei Betrachtung der Minima und Maxima wird die Entwicklung des Waldzustandes deutlich: So waren die Jahre mit dem höchsten Anteil ohne Kronenverlichtung 1985, 1988 und 1989 mit jeweils einem Anteil von über 60 %. Beim Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung liegen die Jahre mit dem geringsten Waldanteil von 10 % und darunter liegen alle in den 1980er Jahren. Die Werte mit dem höchsten Anteil (40 % und mehr) sind 2020, 2019 und 2021.

Für alle Indikatoren wird eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt, durchgeführt.

Die Trendanalyse ergibt für den Gesamtzeitraum 1984-2021 für den Waldanteil ohne Kronenverlichtung einen quadratischen Trend (u-Form). Das heißt, dass zunächst ein Rückgang des Waldanteils ohne Kronenverlichtung stattfand und nach einer Trendumkehr wieder eine Zunahme einsetzt. Dennoch ergibt sich ein Änderungssignal (Differenz von Angangs- und Endwert der Trendkurve), das mit -41 % noch einen deutlichen Rückgang anzeigt. Für die schwache Kronenverlichtung wurde über den Gesamtzeitraum ebenfalls ein quadratischer Trend, allerdings in u-Form nachgewiesen. Hier fand somit zunächst ein Anstieg statt, auf welchen nach einer Trendumkehr ein Rückgang folgt. Doch auch hier zeigt das Änderungssignal über den Gesamtzeitraum noch eine Zunahme von +13 % an.

Für die deutliche Kronenverlichtung konnte ein linear steigender Trend nachgewiesen werden. Hier beträgt die Änderung +29 %. Somit kann hier die mögliche Erholung, die sich in den anderen Verlichtungsstufen abzeichnet (noch) nicht bestätigt werden. Insbesondere die drei Trockenjahre 2018, 2019 und 2020 sorgten nochmals für eine sprunghafte Verschlechterung des Waldzustandes, ehe sich die Situation im regenreicheren Jahr 2021 wieder leicht verbesserte.

Für die Kronenverlichtungsstufen werden auch Trendanalysen für den kürzeren Zeitraum 1991-2021 durchgeführt (da viele Indikatoren des KFAM nur für einen kurzen Zeitraum vorliegen, wird dies zu Vergleichszwecken gemacht). Die Trendanalyse ergab hier für alle Stufen dieselben Trendformen wie bereits beschreiben, die Änderungen für den kurzen Zeitraum können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

 

Flächenanteil der Waldfläche in %

Ohne Kronenverlichtung

Schwache Kronenverlichtung

Deutliche Kronenverlichtung

 

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

1984-2021

39

 

-41

38

 

+13

23

 

+29

1991-2021

34

 

-28

40

 

+5

26

 

+23

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  kein Trend

 

Trendbewertung

 

günstige Entwicklung
     
     

 

ungünstige Entwicklung
     
     

 

keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden