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Hitzebedingte Todesfälle „Hitzewellen erhöhen Sterberaten“
Jahr19921993199419951996199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014201520162017
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Anzahl hitzebedingter Todesfälle in NRW im Zeitraum 1992-2017 (Datengrundlage: an der Heiden et al. 2020). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 2017
Messgröße Hitzebedingte Sterbefälle, Anzahl pro Jahr
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Robert-Koch-Institut (RKI)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact

Durch den Klimawandel steigt zum einen die Lufttemperatur an. Zum anderen wirken sich die Temperaturunterschiede auch auf die Zirkulationssysteme der Erde aus. Allen voran spielt hier die Abschwächung des Jetstreams eine zentrale Rolle, denn durch dessen Abschwächung können Hoch- und Tiefdruckgebiete für lange Zeit an Ort und Stelle verharren. Langanhaltende Perioden mit hohen Temperaturen, kaum Wind und entsprechendem Sonnenschein, wirken sich durch thermische Belastung auf die menschliche Gesundheit, insbesondere bei anfälligen Personengruppen, aus.

Als Folge von Hitzewellen steigen lokal die Sterberaten über saisonal übliche Erwartungswerte hinaus. Als hauptverantwortliche Ursache gelten dabei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei hohem Hitzestress zum Tode führen können. Im Hitzesommer 2003 sind geschätzt europaweit über 70.000 Menschen aufgrund der extremen Hitze gestorben (Robine et al. 2008). Etwa 7.600 hitzebedingte Tode sind in Deutschland eingetreten (an der Heiden et al. 2019). Betroffene Personengruppen sind in diesem Zusammenhang in erster Linie alte und/oder vorerkrankte Menschen. 

 

Literatur:

An der Heiden, Matthias; Muthers, Stefan; Niemann, Hildegard; Buchholz, Udo; Grabenhenrich, Linus; Matzarakis, Andreas (2019): Schätzung Hitzebedingter Todesfälle in Deutschland zwischen 2001 und 2015. In: Bundesgesundheitsblatt 62 (5), S. 571-579. DOI: 10.1007/s00103-019-02932-Y.

Robine, Jean-Marie; Cheung, Siu Lan K.; Le Roy, Sophie; Van Oyen, Herman; Griffiths, Clare; Michel, Jean-Pierre; Herrmann, Francois Richard (2008): Death Toll Exceeded 70,000 in Europe During the Summer of 2003. In: Comptes Rendus Biologies 331 (2), S. 171-178. DOI: 10.1016/J.CRVI.2007.12.001.

Die jährliche Anzahl hitzebedingter Todesfälle ist direkt nur schwer erfassbar. Mithilfe eines mathematischen Modells kann aber der statistische Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Sterblichkeit beschrieben werden (an der Heiden et al. 2020). Die Anzahl der hitzebedingten Todesfälle wird als Differenz der beobachteten Sterblichkeit – basierend auf Daten des statistischen Bundesamtes – und einer hypothetischen Sterblichkeit, welche sich einstellen würde, wenn die Wochenmitteltemperatur 20 °C nicht übersteigen würde, berechnet (an der Heiden et al. 2020).

 

Literatur:

An der Heiden, Matthias; Muthers, Stefan; Niemann, Hildegard; Buchholz, Udo; Grabenrich, Linus; Matzarakis, Andreas (2020): Heat-Related Mortality. In: Deutsches Ärzteblatt International 117 (37), S. 603-609. DOI: 10.3238/Arztebl.2020.0603.

Für die gesamte verfügbare Zeitreihe (1992-2017) ergibt sich ein jährlicher Mittelwert von 500 hitzebedingten Todesfällen. In der Zeitreihe der hitzebedingten Todesfälle spiegeln sich die sommerlichen Hitzewellen der vergangenen Jahre wider. Auffällig sind hier die Jahre 1994, 2003 und 2006, in denen nach der Modellschätzung besonders viele hitzebedingte Todesfälle auftraten. Auch der Zusammenhang zwischen einer hohen Anzahl an Tagen mit Wärmebelastung und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit verdeutlicht sich in den hitzebedingten Todesfällen: 1994, 2003 und 2006 traten viele Tage mit Wärmebelastung auf (Indikator 9.1 Wärmebelastung). Insgesamt unterliegt die Zeitreihe deutlichen Schwankungen.

Für alle Indikatoren werden eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt, durchgeführt. Die Trendanalyse ergab keinen signifikanten Trend.

 

 

Anzahl der hitzebedingten Todesfälle

 

Mittelwert

Trend

Änderung

1992-2017

500

 

-

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  kein Trend

 

Trendbewertung

 

günstige Entwicklung
     
     

 

ungünstige Entwicklung
     
     

 

keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden