7.4
Waldbrandgefahr und Waldbrände „Die Trockenheit verstärkt die Waldbrandgefahr in NRW“
Jahr1961196219631964196519661967196819691970197119721973197419751976197719781979198019811982198319841985198619871988198919901991199219931994199519961997199819992000200120022003200420052006200720082009201020112012201320142015201620172018201920202021
Anzahl der Brände7911387684617436163016151616522162112101318542033212520351599422779
Betroffene Fläche28,721,929,118,69,8109,411,21,49,751,57,432,92,83,110,13,10,51,16,816,21,63,177,81,83,639,227,3625,7
Waldbrandindexstufe 1+2208207205160214204202199195197171211165194184150203206206198206184170195209188207186167172171182192186174190187196177204185194148191184170187186167174166179167188172161175120139116191
Waldbrandindexstufe 4+534524145879111255164334393112110411512241818181019241110917713738912292114212629152271827196347524

Anzahl der Tage mit Waldbrandgefährdungen nach den Waldbrandindexstufen 1+2 und 4+5 in NRW im Zeitraum 1961-2021 sowie Anzahl der Waldbrände und durch Waldbrand betroffene Fläche in Hektar (ha) im Zeitraum 1991-2021 (Datengrundlage: DWD, BLE 2021). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 31.12.2021
Messgröße Überschreitungstage der Stufe 1+2 und 4+5 des Waldbrandgefahrenindex, Anzahl Tage; Wandbrände, Anzahl; Betroffene Fläche (durch Waldbrände) in ha
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD), Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact

Klimatische Veränderungen wie erhöhte Lufttemperaturen und zuletzt rückläufige Niederschläge in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten sowie die dadurch verstärkte Verdunstung und Trockenheit können die Waldbrandgefahr in NRW erhöhen. Die Kombination von steigenden Lufttemperaturen mit der deutlich verlängerten Vegetationsperiode dürfte zu einem wesentlich höheren Wasserbedarf der Vegetation führen, der vor allem in extrem niederschlagsarmen Zeiten zukünftig nicht mehr gedeckt werden kann. Die dadurch entstehenden Vitalitätsausfälle sorgen zusätzlich für mehr Totholz, welches im Falle eines Brandes dem Feuer mehr Nahrung bietet. Durch Gewitter ausgelöste Waldbrände spielen nur eine untergeordnete Rolle, da diese in Mitteleuropa in der Regel mit Niederschlägen einhergehen. Jedoch ist anzunehmen, dass der voraussichtlich zunehmende Nutzungsdruck durch Erholung suchende Menschen bei den sich ändernden Witterungsbedingungen auch das Risiko von durch Fahrlässigkeit verursachte Waldbrände ansteigen lässt.

Die in der Waldbrandsaison (Anfang März bis Mitte Oktober) tagesaktuellen Information werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) nach verschiedenen Modellen, in die unter anderem Klimaparameter wie relative Luftfeuchte, Niederschlagssummen und Windgeschwindigkeiten eingehen, berechnet. Für die Darstellung werden jeweils die beiden untersten Stufen 1+2 (sehr geringe und geringe Gefährdung) und die höchsten Stufen 4+5 (hohe und sehr hohe Gefährdung) zusammengefasst.

Statistiken zu den tatsächlich aufgetretenen Waldbränden, den Ursachen und der betroffenen Fläche durch Waldbrände, sammelt bundesweit die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der sogenannten Waldbrandstatistik und greift dabei auf die Daten der Länder zurück. 

Die Karten zur Waldbrandgefahr finden Sie hier.

 

Literatur:

BLE – Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2021): Waldbrandstatistik. https://www.ble.de/DE/BZL/Daten-Berichte/Wald/wald_node.html [28.11.2022]

In der aktuellen Klimanormalperiode (1991-2020) kommen im Jahresmittel (in der Zeit zwischen März und Oktober) rund 174 Tage pro Jahr mit der Waldbrandindexstufe 1+2 vor. Dem gegenüber stehen im Mittel 21 Tage pro Jahr mit einer Waldbrandindexstufe 4+5. Im Vergleich zur ersten verfügbaren Klimanormalperiode (1961-1990) sind die Tage mit einer Waldbrandindexstufe 1+2 um 18 Tage zurückgegangen. Gleichzeitig sind 11 Tage mit einer Waldbrandindexstufe 4+5 hinzugekommen, also gibt es nun mehr als doppelt so viele wie zu Beginn.

Betrachtet man die gesamte Zeitreihe der Tage mit den beiden gegensätzlichen Waldbrandindexstufen, so erkennt man sofort, dass sich hier eine Schere schließt und sich die Tage mit Waldbrandindex 1+2 immer weiter absenken, während die Tage mit Waldbrandindex 4+5 immer häufiger werden. Besonders nahe kommen sich beide Kategorien an extremen Jahren wie 1976, 2003 und während den bekannten drei Trockenjahren 2018, 2019 und 2020.

Aufgrund der zahlreichen Niederschläge im Jahr 2021 hat sich die Zahl Tage mit Waldbrandindex 4+5 jedoch extrem stark reduziert, wobei gleichzeitig jene Tage mit Waldbrandindex 1+2 sprunghaft angestiegen sind. Ob sich der generelle Trend in Zukunft fortsetzen wird und feuchtere Jahre wie 2021 eher die Ausnahme bilden werden, bleibt abzuwarten.

Die Aufzeichnungen der Waldbrandereignisse zeigen, dass im Zeitraum 1991-2021 durchschnittlich 56 Waldbrände in NRW auftraten, bei einer mittleren betroffenen Fläche von rund 16 ha im Jahr.

Bei der Anzahl und Fläche der Waldbrände erkennt man, dass abgesehen vom Rekordsommer 2003, auffällig niedrige Fall- und Flächenzahlen in den 2000er bis in die ausgehenden 2010er Jahre vorliegen. Dies lässt sich teilweise damit erklären, das zumindest in den 2000er Jahren die bisher nasseste Dekade aufgezeichnet wurde, trotz steigender Temperaturen. Herausragend sind hier neben den schon gut bekannten drei Trockenjahren 2018, 2019 und 2020 auch die besonders warmen Jahre 1996 und 2003.

 

Mittlere Anzahl der Tage mit entsprechender Waldbrandindexstufe, Mittlere Anzahl der Brände und betroffenen Fläche in ha

1961-1990

1971-2000

1981-2010

1991-2020

1992-2021

Waldbrandindex Stufe 1 + 2

192

188

184

174

175

Waldbrandindex Stufe 4 + 5

10

13

15

21

21

Brände

-

-

-

55

55

Fläche

-

-

-

16

15

 

Für alle Indikatoren wird eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt, durchgeführt.

Die Trendanalyse ergibt für die Anzahl an Tagen mit beiden Waldbrandindex-Klassen jeweils einen signifikanten Trend. Bei den Tagen mit einem Waldbrandindex 1+2 liegt ein signifikant fallender Trend vor. Vergleicht man den Anfangswert mit dem Endwert der Trendlinie, ergibt sich ein Rückgang um 38 Tage mit einem Waldbrandindex 1+2. Bei den Tagen mit einem Waldbrandindex von 4+5 liegt ein ebenfalls signifikant linearer Trend, aber ein steigender, vor. Der Vergleich zwischen Anfangs- und Endwert zeigt bei dieser Trendlinie einen Zuwachs von 22 Tagen mit einem Waldbrandindex 4+5.

Diese Trends lassen sich auch nachweisen, wenn der kürzere Zeitraum 1991-2021 betrachtet wird, für welchen auch die Daten zur Anzahl der Brände und der betroffen Fläche vorliegen (die Änderung für diesen Zeitraum ist nachfolgender Tabelle zu entnehmen).

Die Trendanalyse für den Zeitraum 1991-2021 für die Anzahl und Fläche der Brände ergibt einen quadratischen Trend (u-Form). Dieser Trend zeichnet gut die obige Beschreibung nach, mit höheren Werten zu Beginn der Zeitreihe, einem Minimum in den 2000er und Anfang der 2010er Jahren und einem Anstieg zum Ende der 2010er Jahre bis heute. Das Änderungssignal (Differenz zwischen Anfangs- und Endwert der Trendkurve) ergibt für die Anzahl der Brände einen Anstieg um 10 Ereignisse, für die betroffene Fläche hingegen eine Abnahme von -9 ha.

 

Mittlere Anzahl der Tage mit entsprechender Waldbrandindexstufe, Mittlere Anzahl der Brände und betroffenen Fläche in ha

Waldbrandindex Stufe 1 + 2

Waldbrandindex Stufe 4 + 5

Brände

Fläche

 

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

1961-2021

183

 

-38

15

 

+22

-

-

-

-

-

-

1991-2021

175

 

-35

21

 

+20

56

 

+10

16

 

-9

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  steigender quadratischer Trend
  kein Trend

 

Trendbewertung

 
günstige Entwicklung
     
     
 
ungünstige Entwicklung
     
     
 
keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden