4.8
Grundwasserneubildung „Die Grundwasserneubildung ist tendenziell rückläufig“
Jahr19661967196819691970197119721973197419751976197719781979198019811982198319841985198619871988198919901991199219931994199519961997199819992000200120022003200420052006200720082009201020112012201320142015201620172018201920202021202220232024
Grundwasserneubildung657,6485,8596,7363,8377,8362,2237,6334,5331,2520,7264,2312,7328,5418,7407,8453,5390,5461,9550,4341,9427,2521,6563,4363,3339,2367,4442,1627,9598,4614,6113,8372,2487,5497,5434,3397,7430,6392,8353,6383,9298,2402,4413,8166,9388,7328,9180,1249,1278,7328,5572,3166,2256,3190,2318,9247,4276,7330,8689
Niederschlag1139,8962,51008677,4871,9604,5656630,1753,6752551,8643,3717,5740,3755873716719,3942,5615,9796,2887,6863,8629,9777,7696794,1988,8999,1886,5577,7728,51009,6780970,4791,6958,4764,3870,4795,2699964,3786,3639,8914,4675,6758,8689,3822839,9970,3673,1669,3756,1763,2827,4576,11050,71304,8

Grundwasserneubildung und Niederschlag an der Station St. Arnold in Neuenkirchen für den Zeitraum 1966-2024 (Datengrundlage: LANUK). Erklärvideo zu den Diagramm-Funktionen.

Datenstand 31.12.2024
Messgröße Mittlere Grundwasserneubildung in mm
Räumliche Abdeckung Lysimeter St. Arnold, Neuenkirchen
Datenquelle Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact

Die Grundwasserneubildung und Grundwasserstände sind von einer Vielzahl unterschiedlicher Einflussgrößen abhängig. Ändern sich die klimatischen Rahmenbedingungen und damit Niederschlagsmengen und ihre regionale Verteilung, kann sich die Grundwasserneubildung ändern. Zusätzlich wirken sich steigende Temperaturen auf die Verdunstung aus, was sich ebenfalls in einer verringerten Grundwasserneubildung niederschlagen kann.

Die Grundwasserneubildung wird als „Zugang von infiltriertem Wasser zum Grundwasser“ (Sickerwasser, DIN 4049-3) definiert. Gemessen wird sie mit Hilfe eines Lysimeters. Hierbei handelt es sich um ein Auffangbehältnis, welches in den Boden eingelassen wird, um am Grund das durchgesickerte Niederschlagswasser in einem Messgefäß zu erfassen. Zur genaueren Bilanzierung werden zusätzlich die Parameter Sonnenscheindauer, Globalstrahlung, Lufttemperatur, relative Feuchte, Wind, Oberflächenabfluss und Niederschlag erfasst. Aus diesen zusätzlichen Parametern können Evaporations-, Transpirations-, und Interzeptionsverluste herausgerechnet werden.

Die Kartendarstellung zur Grundwasserneubildung finden Sie hier.

Die mittlere jährliche (hier bezogen auf das hydrologische Jahr) Grundwasserneubildung an der Lysimeterstation St. Arnold liegt im Durchschnitt der aktuellen Klimanormalperiode (1991-2020) bei 368 mm, während die mittlere jährliche Niederschlagssumme dort bei 808 mm liegt. Die Zeitreihe 1966-2024 ist noch nicht lang genug um zwei sich nicht überlappende Klimanormalperioden miteinander vergleichen zu können. Trotzdem liefert die Betrachtung der 30-jährigen Mittelweise schon einen Hinweis darauf, dass die Grundwasserneubildung geringer geworden ist, während die Niederschlagssumme zuletzt eher stagniert.

 

1971-2000

1981-2010

1991-2020

1995-2024

Grundwasserneubildung in mm

416

420

368

352

Niederschlagssumme in mm

769

815

808

817


Besonders auffällig ist das Jahr 2016. Mit 572 mm weist dieses Jahr einen vergleichsweise hohen Wert (insgesamt Rang 7 bei den Jahren mit der höchsten Grundwasserneubildung) auf. Dies ist insbesondere auf vergleichsweise hohe Niederschläge im Winter zurückzuführen. Das Jahr mit der insgesamt höchsten Grundwasserneubildung von 689 mm war 2024, das Jahr mit der elfthöchsten Jahresniederschlagssumme in NRW sowie der höchsten Jahresniederschlagssumme an der Lysimeterstation selbst. Auf Platz 2 bei jeweils Grundwasserneubildung und Niederschlagssumme liegt das Jahr 1966. Die geringste Grundwasserneubildung trat mit 114 mm im Jahr 1996 auf, das an der Lysimeterstation auch das zweitniederschlagärmste Jahr war. Nach 2010 traten viele Jahre mit einer sehr geringe Grundwasserneubildung auf. Das bisher nasseste Jahr in NRW, 2023, liegt auch beim Niederschlag in St. Arnold auf den Spitzenplätzen. Dies kann man allerdings nicht von der gemessenen Grundwasserneubildung sagen: hier liegen die Werte eher auf niedrigem Niveau, sodass eine recht große Lücke zwischen gefallener Niederschlagsmenge und Grundwasserneubildung für 2023 besteht. Mit den 2024 gemessenen Werten wurden, wie bereits beschrieben, neue Höchststände erreicht.

Für alle Indikatoren erfolgt eine Trendberechnung und Signifikanzprüfung nach der Methode des Umweltbundesamtes, kurz "DAS-Methode" genannt. Die Trendanalyse ergab weder für die Grundwasserneubildung noch für die Niederschlagssumme im Gesamtzeitraum einen statistischen Trend. Betrachtet man nur den Zeitraum ab 1991 (viele Indikatoren des KFAM liegen nur für einen kurzen Zeitraum vor, daher wird diese Analyse aus Vergleichszwecken durchgeführt) ergibt sich ein signifikant fallender Trend für die Grundwasserneubildung. Das Änderungssignal beträgt -166 mm, was auf einen Rückgang der Grundwasserneubildung in den letzten drei Dekaden hindeutet. Da für den Niederschlag durch die Trendanalyse keine signifikante Änderung nachgewiesen werden konnte, deutet dies darauf hin, dass die abnehmende Grundwasserneubildung zunehmend auf die steigenden Lufttemperaturen und die damit verbundenen höheren Evapotranspirationsraten zurückzuführen ist.

 

Grundwasserneubildung in mm

Niederschlagssumme in mm

 

Mittelwert

Trend

Änderung

Mittelwert

Trend

Änderung

1966-2024

390

 

-

801

 

-

1991-2024

371

 

-166

823

 

-

Trendbeschreibung

 

  steigender Trend
  fallender Trend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
  quadratischer Trend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
  fallender quadratischer Trend
  steigender quadratischer Trend
  kein Trend

 

Trendbewertung

 
günstige Entwicklung
     
     
 
ungünstige Entwicklung
     
     
 
keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden