NiersCon - Dezentraler Wasserrückhalt im Kreis Viersen

Das Projekt NiersCon untersuchte und erprobte Maßnahmen zur Verbesserung des dezentralen Wasserrückhalts und der Grundwasseranreicherung im Einzugsgebiet der Mittleren Niers. Ziel war es, das regionale Grabensystem durch naturnahe und technische Lösungen weiterzuentwickeln und so einen Beitrag zur Klimaanpassung im Kreis Viersen zu leisten.

Themenfelder

Hochwasser, Konzepte und Kooperationen, Starkregen, Trockenheit und Dürre

Ort

Kreis Viersen

Laufzeit

Von 2023 bis 2025

Kontakt

Tena Sediqi
Amt für Umweltschutz
– Klimaanpassung, Landwirtschaft –
Rathausmarkt 3
41747 Viersen
02162 39-2477
tena.sediqi@kreis-viersen.de

Jonas Nienhaus
Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers
Bleichweg 5 f
47929 Grefrath
Telefon: 02158 40 81 98-20
j.nienhaus@mittlereniers.de

Das Projekt NiersCon untersuchte und erprobte im Kreis Viersen, wie ein bestehendes Entwässerungsgrabensystem an die Anforderungen des Klimawandels angepasst werden kann. Hintergrund ist, dass das historisch gewachsene Grabennetz bislang vor allem der schnellen Ableitung von Wasser diente. Unter den Bedingungen zunehmender Trocken- und Hitzeperioden sowie intensiverer Starkregenereignisse stellt sich jedoch die Frage, wie diese Strukturen so weiterentwickelt werden können, dass sie nicht nur entwässern, sondern auch Wasser gezielt in der Landschaft zurückhalten. Ziel des Kooperationsvorhabens des Kreises Viersen mit dem Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers (WBVMN) war es daher, den dezentralen Wasserrückhalt zu stärken, die Grundwasseranreicherung zu fördern und zugleich die Entwässerungsfunktion bei Starkregen aufrechtzuerhalten.

Dafür wurden zunächst relevante Grundlagendaten zu Gewässern, Böden, Grundwasser, Geländeverhältnissen und Flächennutzungen zusammengeführt und in einem GIS-Projekt ausgewertet. Ergänzt durch Ortsbegehungen, Vermessungen und den fachlichen Austausch mit Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und weiteren Akteuren konnten geeignete Erprobungsstandorte identifiziert werden. Im nächsten Schritt wurden unterschiedliche Ansätze des dezentralen Wasserrückhalts beispielhaft umgesetzt: In naturnahen Bereichen kamen Totholzelemente zum Einsatz, die Wasser in trockenfallenden Gräben zurückhalten sollen. An zwei ausgewählten Standorten in Grefrath und Kempen wurden im November 2024 steuerbare Kippwehre eingebaut, um die Möglichkeiten eines gezielten Aufstaus unter realen Bedingungen zu erproben. Darüber hinaus wurden bestehende Rückhaltebecken in Viersen so angepasst, dass Wasser länger im System gehalten, Sedimente zurückgehalten und zusätzliche Versickerung gefördert werden kann.

Zur fachlichen Bewertung der Maßnahmen wurden ausgewählte Standorte mit Sensorik ausgestattet. Erfasst wurden unter anderem Wasserstände, Bodenfeuchte und Temperatur; die Daten wurden über das LoRaWAN-Netz des Kreises Viersen in ein digitales Dashboard übertragen und ausgewertet. Ergänzend wurde eine hydrologische Modellierung durchgeführt, um die Wirkungen eines gestauten und eines ungestauten Zustands an ausgewählten Standorten einzuordnen.

Das Projekt zeigte, dass technisch ausgebaute Entwässerungsgräben unter geeigneten Standortbedingungen nicht nur entwässernd wirken, sondern auch gezielt für den dezentralen Wasserrückhalt genutzt werden können. An einem erprobten Wehrstandort wurde im aufgestauten Zustand eine deutlich erhöhte Bodenfeuchte im grabennahen Bereich festgestellt. Die hydrologische Modellierung ergab dort zudem, dass sich die zurückgehaltene beziehungsweise versickernde Wassermenge gegenüber dem natürlichen Zustand im Mittel deutlich erhöhen kann. Auch die Optimierung bestehender Rückhalteräume erwies sich als sinnvoll, etwa durch Abflussverzögerung, Sedimentrückhalt und zusätzliche Versickerung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Eignung und Wirksamkeit der Maßnahmen stark von den jeweiligen Standortbedingungen abhängen. Entscheidend sind unter anderem Bodenverhältnisse, Grundwasserabstand, Wasserführung, angrenzende Nutzungen sowie rechtliche und betriebliche Rahmenbedingungen.

NiersCon hat damit eine belastbare fachliche Grundlage geschaffen, um bestehende Entwässerungsstrukturen klimaangepasst weiterzuentwickeln. Die im Projekt erarbeiteten GIS-Grundlagen, Auswahlkriterien und fachlichen Erkenntnisse sollen auch nach Projektende weiter genutzt werden und in die weitere Klimafolgenanpassung im Kreis Viersen einfließen.