Die Offenlegung der Sieg

Mit der Offenlegung der Sieg hat die Stadt Siegen ein zentrales Projekt der Klimaanpassung und Stadtentwicklung umgesetzt. Wo früher Betonflächen dominierten und der Fluss unter der Siegplatte verborgen war, entstand ein lebendiger, naturnaher Stadtraum. Durch den Abriss der Siegplatte, die Renaturierung des Flussbetts und die Gestaltung barrierefreier Uferpromenaden wurde die Sieg wieder sichtbar und erlebbar gemacht. Neue Grünflächen, Sitzstufen und Gastronomiebalkone laden heute zum Verweilen ein und verbessern gleichzeitig das Stadtklima. Ergänzende Maßnahmen wie die Entsiegelung des „Herrengarten“-Areals schaffen zusätzliche Freiräume und stärken die ökologische Vielfalt. Das Projekt hat nicht nur die Aufenthaltsqualität erhöht, sondern auch einen nachhaltigen Imagewandel der Innenstadt angestoßen, hin zu einer grünen, lebenswerten und zukunftsorientierten Stadtmitte.

Themenfelder

Grüne Infrastruktur, Hochwasser, Wasserbewusste Stadtgestaltung

Ort

Siegen

Laufzeit

2010-2016 bzw. 2021-2024

Kontakt

Arbeitsgruppe Stadtentwicklung
Universitätsstadt Siegen
Lindenplatz 1
57078 Siegen

0271/404-3390
stadtentwicklung@siegen.de

Das Stadtzentrum von Siegen war über Jahrzehnte stark durch das Leitbild der autogerechten Stadt geprägt. Große Teile der Innenstadt waren stark versiegelt, Grünflächen fehlten weitgehend und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum war gering. Der innerstädtische Fluss Sieg war im Stadtbild kaum wahrnehmbar. Er verlief über weite Strecken unter einer Betonplatte, der sogenannten „Siegplatte“. Diese Situation führte zu einem negativen Stadtimage und einer zunehmenden Leerstandsproblematik.

Mit dem Projekt „Offenlegung der Sieg“ verfolgte die Stadt Siegen das Ziel, die Innenstadt städtebaulich, ökologisch und funktional neu auszurichten. Im Mittelpunkt stand die Wiedererlebbarkeit des Flusses als zentrales Element der Stadt. Durch die Kombination aus Renaturierungsmaßnahmen, städtebaulichem Umbau und gezieltem Stadtmarketing sollte das einseitig ausgerichtete Angebot der Innenstadt aufgebrochen, neue Entwicklungsimpulse gesetzt und das Stadtimage nachhaltig verbessert werden.

Das Herzstück des Projekts bildete die Renaturierung des Flussabschnitts im Stadtzentrum. Im Jahr 2012 wurde die Siegplatte, die den Fluss auf etwa 140 Metern Länge überdeckte, abgerissen. Anschließend wurde das Flussbett geöffnet und eine naturnahe Flusssohle hergestellt.
Eine Stufenanlage und eine barrierefreie Uferpromenade ermöglichen seitdem einen direkten Zugang zum Wasser. Zwei offene Balkone, die gastronomisch genutzt werden, tragen zusätzlich zur Belebung des Bereichs bei. Die Bauarbeiten konnten bis 2016 weitgehend abgeschlossen werden.

Im Rahmen des Gesamtprojekts Siegen Zu Neuen Ufern wurde 2021 das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus Herrengarten abgerissen. An seiner Stelle entstand eine zentrale Grünanlage, die die durch die Offenlegung der Sieg geschaffenen Aufenthaltsbereiche ergänzt. Der Neubau wurde 2023 bis 2024 realisiert und trägt zur weiteren Aufwertung des Stadtzentrums bei.

Durch die Offenlegung und Renaturierung der Sieg konnten bedeutende ökologische, städtebauliche und soziale Effekte erzielt werden:

  • Ökologische Aufwertung: Verbesserung der Wasserqualität, Förderung der Flora und Fauna sowie eine deutliche Steigerung der Artenvielfalt.
  • Klimaanpassung: Entsiegelung und Schaffung neuer Grünflächen tragen zur Reduzierung der sommerlichen Hitzeentwicklung in der Innenstadt bei und verbessern die Durchlüftung. Zudem bietet der neu gestaltete Flussraum einen natürlichen Hochwasserschutz.
  • Städtebauliche Impulse: Erhöhte Aufenthaltsqualität, neue Nutzungsangebote und eine attraktive Freiraumgestaltung führten zu einem Imagewandel der Innenstadt.
  • Soziale und wirtschaftliche Effekte: Die Revitalisierung des Stadtkerns führte zu einer sinkenden Leerstandsquote, einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum und einer Verjüngung der Bevölkerung.